Ratgeber
Korrosivitätskategorien nach DIN EN ISO 12944
Wenn zwei Angebote für denselben Korrosionsschutz weit auseinanderliegen, steckt der Unterschied fast immer in dieser Einstufung. Sie ist keine Formalie: Aus ihr folgen Schichtenzahl, Trockenschichtdicke, Bindemittel und damit ein großer Teil des Preises. Wer sie kennt, kann Angebote überhaupt erst vergleichen.
Die Kategorien C1 bis CX
Die Einteilung beschreibt, wie aggressiv die Atmosphäre auf unbeschützten Stahl wirkt, gemessen am Masseverlust einer Referenzprobe im ersten Jahr. C1 steht für beheizte Innenräume mit trockener Luft, C2 für unbeheizte Gebäude und ländliche Atmosphäre mit geringer Belastung. C3 umfasst Stadt- und Industrieluft mit mäßiger Belastung sowie Küstengebiete mit geringem Salzgehalt. C4 gilt für Industriebereiche und Küstengebiete mit mittlerem Salzgehalt, C5 für Industriebereiche mit hoher Feuchte und aggressiver Atmosphäre sowie Küsten- und Offshore-Bereiche mit hohem Salzgehalt. CX beschreibt extreme Bedingungen, etwa Offshore-Anlagen mit hoher Salzbelastung oder tropische Industrieatmosphäre.
- C1: beheizte Innenräume, trockene Luft
- C2: unbeheizte Gebäude, ländliche Atmosphäre
- C3: Stadt- und Industrieluft, Küste mit geringem Salzgehalt
- C4: Industriebereiche, Küste mit mittlerem Salzgehalt
- C5: aggressive Industrieatmosphäre, Küste mit hohem Salzgehalt
- CX: extreme Bedingungen, Offshore und tropische Industrie
Wasser und Erdreich: Im1 bis Im4
Bauteile, die dauerhaft in Wasser oder Erdreich stehen, werden nicht nach C, sondern nach Im eingestuft. Im1 gilt für Süßwasser, Im2 für Meer- und Brackwasser ohne kathodischen Schutz, Im3 für Bauteile im Erdreich und Im4 für Meer- und Brackwasser mit kathodischem Schutz. Für Hafenbauwerke ist der Wasserwechselbereich die anspruchsvollste Zone überhaupt, weil sich dort ständiger Feuchtewechsel, Salz, mechanischer Abrieb und Bewuchs überlagern.
Schutzdauer: was die Angabe wirklich bedeutet
Zur Kategorie gehört die gewünschte Schutzdauer, in der Norm in vier Stufen von niedrig bis sehr hoch. Wichtig ist, was diese Angabe nicht ist: keine Garantie und keine Lebensdauer. Sie beschreibt die erwartete Zeit bis zur ersten größeren Instandsetzung, also bis zu dem Punkt, an dem die Beschichtung überarbeitet werden muss. Genau deshalb gehört zu jedem Korrosionsschutz eine geplante Nachschau. Eine rechtzeitige Überarbeitung der Deckschicht ist ein Bruchteil dessen, was eine Vollsanierung nach Durchrostung kostet.
Warum die Oberflächenvorbereitung über alles entscheidet
Der beste Beschichtungsaufbau hält nicht, wenn der Untergrund nicht stimmt. Deshalb schreibt die Norm neben der Kategorie auch den Vorbereitungsgrad vor, üblicherweise nach DIN EN ISO 8501-1: Sa 2½ bedeutet sehr gründliches Strahlen, bei dem Zunder, Rost und alte Beschichtungen bis auf leichte Schattierungen entfernt sind. Dazu kommen Rauheitsprofil, Staubfreiheit und Salzgehalt der Oberfläche sowie die Klimawerte beim Auftrag: Bauteiltemperatur mindestens drei Grad über dem Taupunkt, sonst schlägt sich Feuchtigkeit unter der frischen Schicht nieder. Diese Werte werden gemessen und protokolliert, nicht geschätzt.
- Vorbereitungsgrad nach DIN EN ISO 8501-1, meist Sa 2½ oder höher
- Rauheitsprofil passend zum Beschichtungssystem
- Staubfreiheit und Prüfung auf Salzrückstände
- Bauteiltemperatur mindestens 3 K über Taupunkt
- Protokoll zu Klimawerten und Schichtdicken je Arbeitsgang
Was das für Hamburg bedeutet
Anlagen im Hafen und in Elbnähe liegen durch den Salzeintrag aus der Luft regelmäßig bei C5, auch wenn sie nicht direkt am Wasser stehen. Bauteile im Wasserwechselbereich kommen zusätzlich in den Im-Bereich. In der Praxis heißt das: mehrschichtige Systeme mit hoher Gesamttrockenschichtdicke, Zinkgrundierung, und eine Ausführung, die auf Wetterfenster angewiesen ist. Wer hier nach C3 kalkuliert, weil das Bauteil einen Kilometer landeinwärts steht, bekommt ein günstiges Angebot und in wenigen Jahren einen teuren Schaden.
Zuletzt geprüft: August 2026 · Dieser Beitrag beschreibt die Praxis der AWA Eurobau-Service GmbH. Er ersetzt keine Auskunft der zuständigen Behörde und keine Rechtsberatung.
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Häufige Fragen dazu
Im Idealfall der Planer im Leistungsverzeichnis. Fehlt die Angabe, leiten wir sie aus dem Standort, der Umgebung und dem Zustand vorhandener Beschichtungen ab und legen sie im Angebot ausdrücklich fest. Ohne diese Angabe ist kein Angebot vergleichbar.
Nicht zwingend, aber es ist der übliche Standard für dauerhafte Systeme in C4 und C5. In niedrigeren Kategorien oder bei Instandsetzungen auf intaktem Altsystem können geringere Vorbereitungsgrade oder örtliches Entrosten ausreichen. Das System muss dazu passen.
Nein. Neben der Bauteiltemperatur über dem Taupunkt haben die Produkte Mindest- und Höchsttemperaturen sowie Grenzen für die Luftfeuchte. Bei Arbeiten im Freien kann deshalb eine Einhausung mit Klimaführung nötig sein, sonst verschiebt die Witterung den Termin.
Über Trockenschichtdickenmessung nach dem Aushärten, an einer nach Regelwerk festgelegten Zahl von Messpunkten. Die Werte gehen in das Ausführungsprotokoll ein, zusammen mit den Klimawerten während des Auftrags. Auf Wunsch erhalten Sie diese Dokumentation vollständig.
Die C-Kategorien beschreiben Bauteile in der Atmosphäre, von C1 im geheizten Innenraum bis CX in Offshore- und stark belasteter Industrieatmosphäre. Die Im-Kategorien gelten für Bauteile, die in Wasser oder im Boden stehen. Ein Kaibauwerk kann deshalb beide Kategorien zugleich tragen: den Teil über Wasser nach C, den Teil darunter nach Im, mit unterschiedlichem Aufbau.
Das System hält nicht die erwartete Zeit. Wird eine Hafenlage als C4 statt C5 eingestuft, ist der Aufbau zu dünn oder das Bindemittel für die Belastung nicht ausgelegt, und die erste Teilerneuerung steht Jahre früher an als geplant. Der eingesparte Betrag beim Anstrich ist dann regelmäßig kleiner als die vorgezogene Wiederholung samt Gerüst.
Nein, sie gilt für das Bauteil in seiner konkreten Lage. An einer Anlage können mehrere Kategorien nebeneinander vorkommen: die Innenseite einer Halle deutlich niedriger als die Außenkonstruktion, ein spritzwasserbelasteter Sockel höher als der Rest der Fassade. Sinnvoll ist es, diese Bereiche getrennt einzustufen, statt das gesamte Objekt auf den höchsten Wert zu setzen.
Korrosivitätskategorie, angestrebte Schutzdauer, Vorbereitungsgrad des Untergrunds, der Schichtaufbau mit Bindemittel und Sollschichtdicke je Lage sowie die Bedingungen, unter denen appliziert werden darf. Diese Angaben gehören vor die Ausführung ins Angebot. Nur dann ist hinterher überprüfbar, ob geliefert wurde, was vereinbart war.
