Ratgeber
Kernbohrung oder Betonschneiden: was passt wann?
Beide Verfahren arbeiten mit Diamantwerkzeug, beide sind erschütterungsfrei, und beide werden oft als austauschbar behandelt. Das sind sie nicht. Die Entscheidung fällt an drei Fragen: Welche Form braucht die Öffnung, wie groß wird sie, und wie kommt das herausgetrennte Material heraus.
Wann die Kernbohrung das richtige Verfahren ist
Immer dann, wenn etwas Rundes durch ein Bauteil geführt wird: Rohre, Kabel, Lüftungsleitungen, Anker. Die Bohrung ist maßhaltig, die Wandung glatt, und es fällt keine Nacharbeit an, weil kein Ausbruch am Bauteilrand entsteht. Sie funktioniert in jeder Richtung, auch über Kopf und schräg, und durch Bewehrung hindurch. Auch zur Materialprüfung ist sie das Standardverfahren: Der entnommene Kern geht ins Labor und gibt Auskunft über Druckfestigkeit, Carbonatisierungstiefe und Chloridgehalt.
- Rohr-, Kabel- und Lüftungsdurchführungen
- Bohrungen für Anker, Dübel und Befestigungen
- Entnahme von Prüfkernen für die Materialuntersuchung
- Entwässerungsbohrungen in Bodenplatten
- Reihenbohrungen als Vorbereitung für den Abbruch
Wann die Säge übernimmt
Sobald die Öffnung Ecken haben soll oder größer wird als der größte verfügbare Bohrdurchmesser. Die Wandsäge fährt auf einer Schiene am Bauteil entlang und schneidet in definierter Tiefe; die Seilsäge zieht ein diamantbesetztes Seil durch den Querschnitt und ist in der Bauteilstärke praktisch unbegrenzt. Beide erzeugen eine glatte, rechtwinklige Schnittkante, an die direkt angeschlossen werden kann. Der zweite Vorteil ist die Entsorgung: Was auf Maß geschnitten wird, lässt sich am Stück ausheben und abtransportieren, statt es zu zerschlagen und als Schutt zu verladen.
- Tür- und Fensterdurchbrüche in Beton und Mauerwerk
- Deckenöffnungen für Treppen, Aufzüge und Schächte
- Trennen von Fundamenten und massiven Querschnitten
- Fugenschnitte in Boden- und Deckenplatten
- Rückbau in Segmenten statt als Schutt
Der kombinierte Fall
Bei großen Öffnungen im Bestand ist die Kombination der Regelfall. Zuerst werden an den Ecken Kernbohrungen gesetzt, dann verbinden Sägeschnitte die Bohrungen. Die Eckbohrung gibt der Säge den Auslauf, denn ein Sägeblatt kann in einer Ecke nicht auf null auslaufen, ohne über die Öffnung hinauszuschneiden. Ohne Eckbohrung entstehen entweder Überschnitte im verbleibenden Bauteil oder es bleiben Stege stehen, die nachgestemmt werden müssen, und damit wäre der Vorteil des erschütterungsfreien Arbeitens dahin.
Was beide Verfahren gemeinsam brauchen
Vor jedem Schnitt und jeder Bohrung steht dieselbe Frage: Was liegt im Bauteil. Bewehrung dürfen beide Verfahren durchtrennen, Spannglieder nicht, denn ein durchtrenntes Spannglied setzt schlagartig Energie frei und ist ein Fall für den Tragwerksplaner, nicht für die Baustelle. Ebenso wenig darf eine stromführende Leitung oder ein Medienrohr getroffen werden. Wir orten deshalb vorab und stimmen Position, Durchmesser und Verlauf bei tragenden Bauteilen mit Bauleitung oder Tragwerksplaner ab.
- Ortung von Bewehrung, Spanngliedern, Leitungen und Hohlräumen
- Freigabe von Position und Abmessung bei tragenden Bauteilen
- Führung und Absaugung des Kühlwassers
- Abfangen und Sichern des herausgetrennten Segments
- Dokumentation der Öffnung für die Bauakte
Zuletzt geprüft: August 2026 · Dieser Beitrag beschreibt die Praxis der AWA Eurobau-Service GmbH. Er ersetzt keine Auskunft der zuständigen Behörde und keine Rechtsberatung.
Konkreter Fall?
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Häufige Fragen dazu
Üblich sind Durchmesser bis etwa 500 Millimeter, in Einzelfällen darüber. Größere Öffnungen werden entweder als Reihenbohrung ausgeführt, bei der sich die Bohrungen überschneiden, oder mit der Säge hergestellt.
Nur eingeschränkt. Diamantwerkzeuge brauchen Kühlung; Trockenschnitte sind bei geringen Tiefen und mit Absaugung möglich, bei größeren Querschnitten ist Wasserkühlung technisch erforderlich. Wo Wasser ausgeschlossen ist, planen wir Auffangwannen und Absaugung ein oder wählen ein anderes Verfahren.
Ja. Diamantwerkzeuge trennen Beton und Bewehrungsstahl gleichermaßen. Ein hoher Bewehrungsgrad verlängert die Schnittzeit und den Werkzeugverschleiß, ist aber kein Hindernis.
Wir, sofern nicht anders vereinbart. Bohrkerne nehmen wir mit, größere Segmente werden mit geeignetem Gerät ausgehoben, abtransportiert und der Verwertung zugeführt. Den Arbeitsbereich übergeben wir besenrein.
Dass die Freigabe vor dem ersten Schnitt vorliegt, nicht danach. Ob ein Durchbruch ohne Verstärkung möglich ist, hängt von Lage, Größe und Bewehrungsführung ab und wird vom Tragwerksplaner beurteilt. Ist eine Auswechslung nötig, gehört sie in die Planung, weil sie den Ablauf und die Reihenfolge der Arbeiten ändert.
Der Bohrständer wird eingemessen und verankert, die Toleranz liegt damit im Millimeterbereich. Die eigentliche Frage ist meist nicht die Genauigkeit, sondern was im Bauteil liegt: Bewehrung, Spannglieder, Leitungen. Deshalb steht die Ortung vor dem Ansetzen, und die Sollposition wird gegebenenfalls verschoben, bevor gebohrt wird.
Beide sind erschütterungsarm, weil sie schneidend statt schlagend arbeiten, und darin liegt ihr Vorteil gegenüber dem Stemmen. Zwischen den beiden gibt es kaum einen Unterschied, der für die Nachbarschaft spürbar wäre. Ausschlaggebend für die Wahl sind Form und Größe der Öffnung, nicht die Erschütterung.
Ja, und bei größeren Öffnungen ist das der Regelfall. In die Ecken der geplanten Öffnung werden Kernbohrungen gesetzt, zwischen denen die Säge dann gerade durchzieht. Die Bohrungen geben der Säge den Ein- und Auslauf und verhindern, dass über die Ecke hinausgeschnitten wird.
